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Steine dokumentieren Schicksale

Burgdorf gehört zu bundesweit 130 Kommunen, die mit den so genannten Stolpersteinen an das Schicksal der in der NS-Zeit Ermordeten erinnern.


Schlossstrasse 10
Henriette Gumperz geb. Fels
Ab 1879 hat Henriette Gumperz mit ihrem Mann Bernhard in Burgdorf gelebt. In der Poststrasse 13 fürten sie bis zum Tod ihres Mannes im Jahre 1910 ein Textilgeschäft. Drei Kinder brachte sie in Burgdorf zur Welt. Ihre Mutter und drei Schwestern folgten ihr nach Burgdorf. Burgdorf war für die Familie offenbar eine liebenswerte Stadt. Im Oktober 1933 flüchtete Henriette Gumperz zu ihrem Sohn nach Düsseldorf, weil sie sich in Burgdorf nicht mehr sicher fühlte. 1939 emigrierte sie nach Den Haag. Am 24. November 1942 wurde sie ins Lager Westerbork/Niederlande gebracht und am selben Tag nach Auschwitz deportiert. Dort kam sie am 27. November an und wurde am selben Tag im Alter von 85 Jahren ermordet.



An vier Standorten wurden in der Innenstadt Stolpersteine verlegt. Grafik: Erdbrink

Marktstrasse 48
Julie Simon
Julie Simon wurde am 8. Januar 1869 in Lohne geboren. Ab 1880 hat lebte sie in Burgdorf. Ihr Vater stammte aus Burgdorf. Zusammen mit ihren Schwestern Sophie und Johanne betrieb sie eine so genannte Weißschneiderei und Putzmacherei an der Marktstraße. Ungezählte Kleider und Hüte stellte die drei her oder verändert sie und trugen so zur Verschönerung der Burgdorfer Damenwelt bei. Am 1. April 1943 wurde sie zusammen mit ihrer Schwester Johanne nach Hamburg und von dort aus nach Theresienstadt deportiert. Dort wurde sie am 28. Juli 1944 ermordet worden. Ihre Schwester Johanne überlebt das Konzentrationslager.



Luisenstrasse 4
Meyer Löwenstein, Margarete Kaufmann geb. Löwenstein
Im Jahr 1886 kam Meyer Löwenstein, gerade 20 Jahre alt, als Lehrer der Synagogengemeinde in die Auestadt. Er heiratete Ida Blumenthal, die Tochter seines Vorvorgängers. Sein Adoptivsohn Ernst Pinchas Blumenthal hat ihm mit dem Buch „Die gläserne Wand – ein Burgdorfer Roman“ ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt. 1934 versuchte das Ehepaar Löwenstein, in Hannover unterzutauchen. Am 23. Juli 1942 wurden beide nach Theresienstadt deportiert. Meyer Löwenstein wurde dort am 11. Mai 1943 getötet. Seine Frau überlebte den Holocaust. Der Sohn Paul konnte nach Palästina emigrieren. Margarete Kaufmann geborene Löwenstein, 1896 in Burgdorf geboren, war die Tochter von Meyer und Ida Löwenstein. Von 1915 bis 1933 arbeitete sie als Bankbeamtin bei der Dresdner Bank. Wegen ihrer Heirat mit Artur Kaufmann wurde die Ausreise nach Palästina verschoben. Als das Ehepaar 1940 nach Brasilien emigrieren wollte, war es zu spät. Am 15. Dezember 1941 sind beide von Ahlem aus nach Riga deportiert worden. Dort kamen sie beide ums Leben.


Marktstrasse 48
Julius, Elsa und Arnold Cohn
Julius Cohn, 1884 in der Auestadt geboren, stammte aus einer alten Burgdorfer Familie, die hier schon vor 1800 ansässig war. Als Viehhändler war er ein überaus beliebter, angesehener und erfolgreicher Geschäftsmann. Im ersten Weltkrieg war er Marinesoldat, in Burgdorf Mitglied der Feuerwehr, des Schützenvereins und Kassenführer der Viehhändler- und Schlachtervereinigung. Julius und Elsa hatten drei Kinder. Ruth nahm sich 1937 das Leben. Inge konnte nach London emigrieren. Arnold, als jüngstes Kind und 1924 geboren, wurde zusammen mit den Eltern am 6. Dezember 1941 von Hamburg aus nach Riga deportiert. Dort fanden Julius und Elsa den Tod. Arnold wurde bei Zwangsarbeiten im Süden Russlands erschossen.


Quelle: Anzeiger für Burgdorf, Sven Warnecke, 17. August 2006