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Geschichte der Partnerschaft

Beitrag zur Festschrift aus Anlass des 550jährigen Weihfestes der Kirche St. Marien in Borna


550 Jahre Kirche in St. Marien – die letzten 26 Jahre davon mit intensiven Begegnungen im Rahmen einer Partnerschaft zur Kirchengemeinde St. Pankratius in Burgdorf bei Hannover.

Partnerschaftsbeziehungen gibt es schon seit der Staatsgründung der DDR im Jahre 1949. Meist waren es Paket- und Briefaktionen. Die Superintendenten trafen sich schon einige Male bei den Kirchentagen. Auch gab es Begegnungen am Rande der Leipziger Messe. Intensive Kontakte entstanden im Jahre 1980, nachdem beide deutsche Staaten vertragliche Beziehungen vereinbarten, die es ermöglichten, auf Einladung in die DDR einzureisen. So machte sich im Mai 1980 eine Gruppe der St.-Pankratius-Gemeinde in Burgdorf zu einem ersten Besuch auf den Weg und fand sofort einen engen, auch persönlichen Kontakt. Dieser Initiative der damaligen Superintendenten, Heiko Frerichs, Burgdorf, und Wolfgang Opitz aus Borna, war es zu verdanken, dass es fortan regelmäßige Begegnungen auch in den kommenden Jahren gab. Auf Grund der politischen Verhältnisse war dies bis 1989 natürlich nur in eine Richtung möglich. Es begegneten sich die Kantoreien beider Gemeinden, auch weitere Gemeindegruppen und die Kirchenvorstände (in 2000 in Amsterdam). Es entstanden Freundschaften, die auch im 26. Jahr noch Bestand haben. Es entwickelten sich seit 1990 weitere Kontakte nun auch in Burgdorf. Einer der Höhepunkte waren eine gemeinsame Chorfreizeit auf dem Hohen Meissner 1995 und die gemeinsame Aufführung der Bachkantate „Brich dem Hungrigen Dein Brot“ von Johann-Sebastian Bach am 7. Juli 2000 in Burgdorf und am 3. September 2000 in Borna. Wichtig wurden die Konfirmandenbegegnungen zwischen „Ost“ und „West“, die es seit 2000 gab, und deren Höhepunkt eine gemeinsame Freizeit in Schweden war. Verdienste darum erwarben sich die Burgdorfer Pastorin Christina von Rödern sowie das Pastorenehepaar Roth aus Borna.

Ein Kirchen-“jubiläum“ bietet Gelegenheit, auch die Partnerschaft zu würdigen. Solche Partnerschaften leben von den persönlichen Beziehungen und vom Engagement der gemeindlichen Gruppen und Gremien. Besonderen Verdienst hierum haben nicht nur die Pastoren und Pastorinnen in den Gemeinden, die immer wieder wechselten und sich neu in die Partnerschaft einbrachten, Gewürdigt werden soll an dieser Stelle Hannelore Nass aus Borna, die nicht nur in ihrer Gemeinde sondern auch für die Partnerschaft unserer Gemeinden Seele und Motor war. Sie war auch eine der Mitreisenden, die im Rahmen der Burgdorfer Partnerschaft zum evangelischen Kirchenkreis Johannesburg West in Südafrika 1995 dabei war, und die über viele Jahre gepflegte „Dreieckspartnerschaft“ mit trug.

Aus der kirchlichen Partnerschaft entstanden Freundschaften, die immer wieder zu ergänzen sind. Vielfach gestellt wurde die Frage, ob denn nach der „Maueröffnung“ eine Partnerschaft noch nötig sei. Viele, auch junge Menschen haben einen Teil Deutschlands kennen gelernt, von dem sie durch eigene Anschauung vorher nichts wussten. Für das Zusammenwachsen beider deutscher Staaten war dies gewiss eine wichtige Erfahrung. Auch heute hat sich an dieser Bedeutung nichts geändert.

Eine Partnerschaft unter langjährig wirtschaftlich ungleichen Voraussetzungen, geht das? Diese Frage haben sich die Gemeindeglieder beider Gemeinden eigentlich nicht gestellt. Beide Seiten haben viel von einander gelernt und die Gemeinsamkeit in den Gottesdiensten und Treffen gepflegt und für sich als Gewinn betrachtet. Aus diesem Blickwinkel heraus war es für die Burgdorfer leicht, zu helfen, wo es nötig war. Davon zeugen können nicht nur ein Posaunenregister der Orgel in St. Marien, im Jahre 1983 geweiht, sondern aktuell auch ein Beitrag des Burgdorfer Kirchenkreises zur Aktion „Licht für St. Marien“ in Höhe von 10.000 €, der aus alten Partnerschaftsrücklagen ermöglicht wurde, und nun nicht nur die frisch renovierte St. Marienkirche, sondern auch unsere Partnerschaft in helles Licht rücken soll.

Hoffnungsvoll sind die Ansätze, auch in Zukunft Begegnungen der Konfirmanden durchzuführen. Die Kantoreien wollen an ihre gemeinsame Aufführungspraxis anknüpfen. Sie erarbeiten die Kantate "Wir danken Dir, Gott, wir danken Dir" von Johann-Sebastian Bach. Dazu gibt es auch gemeinsame Probenarbeit, am Wochenende vom 14. bis 16. Juli 2006 in Burgdorf und dann vom 13. bis 15.10.2006 in Borna, jeweils mit anschließenden Aufführungen im Gottesdienst.

Mögen die Begegnungen unserer beiden Gemeinden auch in Zukunft eine Bereicherung für unser Gemeindeleben sein.

Hans-Dieter Pauli