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Christ lag in Todesbanden, für unsre Sünd gegeben, der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben. Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein und singen Halleluja. Halleluja. |
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Begrüßung |
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„Christ lag in Todesbanden.“ Das, liebe österliche Festgemeinde, ist Vergangenheit. Das war Karfreitag. Jetzt ist Ostern. Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Jetzt wird gefeiert. "Mensch, ihr wisst gar nicht, was Ihr verpasst habt!" könnte man all denen zurufen, die in diesen Tagen mit anderen Dingen beschäftigt waren. Gerade hier in der St.-Pankratiusgemeinde blicken wir auf eindrückliche Gottesdienste zurück: · Literatur in der Karwoche · Tischabendmahl am Gründonnerstag · Die Stille am Karfreitag, als die alte Osterkerze für immer erlosch. · Die Feier der Osternacht, als wir das neue Licht in die noch dunkle Kirche tragen. · Das gemeinsame Frühstück. · Der fröhliche Ostermorgen, das Lachen der Kinder. Was erwartet uns heute: Paulus rückt das Ostergeschehen in die Mitte des Glaubens: Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. schrieb er an die Christengemeinde in Korinth. Martin Luther verfasste 1524 ein Osterlied (EG 101) – in der ihm eigenen aufwühlende Sprache des Glaubens. Knapp 200 Jahre später nimmt Johann Sebastian Bach das Osterlied von Luther als Vorlage für seine Osterkantate. Wie im Zeitraffer führt uns die Kantate noch einmal durch die Gefühle der vergangenen Tagen. Bach nutzt die ganze Vielfalt seiner musikalischen Ausdrucksmittel und malt die dramatischen Worte des Glaubens musikalisch nach. Am Ende wird gefeiert. Bach – Luther und Paulus erzählen gemeinsam vom Sieg des Lebens über den Tod Jeder auf seine Art. Ich wünsche uns allen einen gesegneten und Glauben weckenden Ostergottesdienst |
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Lesung: 1. Kor. 15, 12 -20 Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? 13 Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. 14 Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. 15 Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. 16 Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. 17 Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; 18 so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. 19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. 20 Christus ist auferstanden Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. |
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Predigt |
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Liebe Festgemeinde, die Osterzeit ist Reisezeit. Auch wir waren ein paar Tage unterwegs. Auf langen Autofahrten legen wir dann unsere Lieblingskassetten ein, damit es für die Kinder und für uns nicht zu langweilig wird. Zu unseren Klassikern gehören Mark Twain`s Geschichten über Tom Sawyer. Er erzählt darin auch von einem Osterwunder der besonderen Art; genauer gesagt: Er macht sich darüber lustig. Tom Sawyer, Joe Harper und Huckle Berry Finn, drei jugendlichen Ausreißer, waren von den Bürgern des Städtchens St. Peterberg den nach lange Suche für Tod erklärt worden. Am nächsten Morgen versammelten sich die braven Bürger zum Trauergottesdienst in Kirche. Zuvor hatten sich die drei Ausreißer in der Nacht unter dem Altar der Kirche versteckt. Es war ihnen einfach zu langweilig und zu nass geworden, auf ihrer Fluchtinsel mitten im Mississippi. Sie wachten gerade auf, als der Hilfsprediger Walters die armen Seelen von Tom und Joe in den Himmel lobte. (Von Huck erwähnt er nichts, denn der gehörte ja nicht zu seiner christlichen Sonntagsschule und hatte also keine Seele.) Originalton des Hilfspredigers: „Sie waren zu gut für diese Welt.“ Dann tauchen sie unter dem Altar auf – alle 3. Und nach einem Moment des Schreckens ertönt es vielstimmig aus der Gemeinde Halleluja! Ein Wunder ist geschehen! Sie sind auferstanden! Ein Choral wird angestimmt: „Nun danket alle Gott“ – Die Gemeinde singt sehr schräg; so schräg wie die ganze Szene. Nur Tante Polly merkt, das etwas nicht stimmen kann. Ihr Neffe Tom blinzelt. Das macht er immer, wenn er etwas ausgefressen hat. Mark Twain macht sich lustig über die christliche Gemeinde von St. Petersburg Und ich kann mitschmunzeln. Es ist nicht wirklich schade drum. Man sieht hier die seichte Spielart des Glaubens. Es gehört sich in St. Petersburg, dass man glaubt Todgeglaubte haben sich nicht einfach nur unter eine Altar versteckt. Sie sind auferstanden. Man wahrt die Form. Man glaubt lieber, anstatt sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Ganz anders Paulus: Er den Christen aus Korinth ein paar bohrende Fragen zu beantworteten: „ Wie ist es denn nun mit der Auferstehung unserer Toten? Wo sind sie?“ Dabei war Paulus in diesen Fragen eher selbst ein Fragender als ein Wissender. Aber er musste Stellung beziehen. Er hätte es sich einfach machen Können, und ähnlich wie Hilfsprediger Walters, ein paar schöne Bilder vom Himmel malen können. So etwas hören Menschen gern. Seine Antworten sind von anderer Art: sperrig, anstößig, fast unappetitlich: „Dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit. Am Ende des Briefes an die Korinther sollte die Antwort stehen wie der Tod am Ende des Lebens steht: »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«So spricht Paulus vom Sieg des Glaubens über den Tod. Die Worte gehen unter die Haut, auch wenn uns diese Sprache des Glaubens fremd geworden ist. Tod, wo ist dein Stachel? - Worte, die unter die Haut gehen. Wer je am offenen Grab stand und Abschied nahm von einem geliebten Menschen, der weiß, wie bohrendschmerzhaft dieser Stachel ist Johann Sebastian Bach bewegt sich mit seiner Kantate auf den Spuren von Paulus und Luther. Beide sind in ihrer ganzen Existenz berührt von der Botschaft des Glaubens. Da wird nicht an der Oberfläche gekratzt. Da wird gegraben bis an den Grund, bis die neue Botschaft sichtbar wird. Da bleibt nichts ... Erinnern sie sich noch an den Nichts in Strophe 3. Abrupt brach alles ab Nichts. Pause in allen Stimmen. Ohne Gott sterben wir in das Nichts hinein, hoffnungslos, Das ist das Gesetz und die Konsequenz der Sünde. So war es vorher. Das ist Vergangenheit. Denn: weil Jesus Christus für uns ans Kreuz gegangen ist, gilt nun ein anderes „Nichts.“ Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi - Kein Tod, keine Sünde, nichts. Paulus und Luther und Bach entführen uns mit ihrer Sprache und ihrer Musik in keine schöne heile Welt des Glaubens. Der schöne Ostertag bleibt auf immer verwoben mit dem Geschehen des Karfreitag. Dort, wo Menschen den Abgrund gesehen haben, dort , wo Menschen erfahren mussten, dass es ihnen den Boden unter den Füssen wegreißen kann, helfen die weichgespülten Antworten des Glaubens nicht weiter. Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben 'rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen. Es ist ein Krieg, den Bach musikalisch in Szene setzt, wenn Tenor, Sopran und Alt miteinander ringen. Nein. Wir müssen korrekt formulieren: miteinander rungen. Der Krieg ist Vergangenheit. Es war ein Krieg, wie ein Tod den andern fraß, ein Spott aus dem Tod ist worden. Das Leben behielt den Sieg: Es ist Ostern. Ostern will uns verwandeln. Das berührt. Das geht unter die Haut. Über die oberflächliche Spielart des Glaubens in dem Städtchen St. Petersburg an den Ufern des Mississippi mag man milde lächeln. das, was Ostern wirklich geschah, geschieht, geht unter die Haut, Es geht unter die Haut, wenn wir es plötzlich begreifen: Es hat etwas mit unserem eigenen Leben zu tun Heute ist die oberflächliche Spielart des Glaubens - dieses salbungsvolle, dieses pastorale - nur noch selten anzutreffen. |
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In unserer deutschen Gesellschaft, die ja in Burgdorf so gegenwärtig ist wie woanders, hat es mit einer oberflächlichen Spielart des Unglaubens gewechselt. Man geht nicht zur Kirche in dieser Zeit: Nicht Gründonnerstag, nicht Karfreitag, nicht Ostern. Illustrierte erinnern zu Ostern gern an Umfragen, Nur noch marginale 30 % der Christenmenschen (von den andern ganz zu schweigen) glauben irgendwie an die Auferstehung. Es ist nicht so, dass plötzlich so viele in Deutschland zu bekennenden Atheisten geworden sind Man entzieht sich eher gedankenlos der österlichen Zeit. Die Menschen kennen die Geschichten von Palmsonntag bis Ostern nicht mehr. Man denkt sich einfach nichts dabei. Die Menschen ahnen nicht, das sie in den Geschichten des Glaubens die Geschichten ihres eigenen Lebens begreifen und verändern könnten. Wie im Zeitraffer führen uns die Geschichten von Palmsonntag bis Ostern durch die Geschichten unseres eigene Lebens, wenn wir sie kennen. Dabei bräuchten wir alle Antwort auf die ungelösten Fragen des Lebens, die uns Angst machen, auf die Fragen nach Schuld und Tod. Wenn Paulus nach Antwort ringt auf diese Fragen, dann hat er vielleicht sich selbst vor Augen, wie er früher war – ein Mensch, der vor lauter Schuldgefühl nicht leben und vor lauter Angst nicht sterben kann. Wie viel leichter lebt und stirbt doch ein Mensch, der sich durch Christus erlöst weiß, von Gesetz und Sünde befreit! Der hat das Leben gewonnen und die Angst vor dem Tod besiegt. „Ich freue mich, freut ihr euch auch“, so oder ähnlich hat Johannes Paul, der verstorbene Papst, auf seinem Sterbebett gesprochen. Dieser Mensch war vom Glauben durchdrungen und er sprach so ganz anders über sein Sterben. Das berührte die Menschen - auch die, die ganz weit weg sind von Kirche und Glaube. |
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Liebe Gemeinde, in den Texten und in der Musik dieses Ostermontags kommen wir dem Geheimnis des Glaubens auf die Spur. Da ist ein immerwährendes Ringen. Da ist ein Krieg im Innersten meines Seins, meiner Existenz. Am Ende aber behält das Leben den Sieg. Moderne Menschen wollen diesem Sieg nicht trauen. „Tod, wo ist dein Stachel?“ Völlig unzeitgemäß ist dieses Wort. Moderne Menschen wollen nichts hören davon! Nichts, was mit Tod zu tun! Auch nichts vom Sieg über den Tod. Alles, was mit Tod zu tun hat, schieben Menschen am Liebsten ganz weit weg. Kennen Sie die Geschichte der Burgdorfer Friedhöfe? Der erste befand sich hier rund um diese Kirche und ihre Vorläufer. (Die alten Grabsteine, die hier eingemauert sind, erinnern uns daran) Schließlich wurde sie immer weiter weg vom Zentrum angelegt. Der zweite – noch ziemlich nah - an der heutigen Hochbrücke. Der dritte - der kirchliche – befindet sich an der Uetzer Str. . Der jüngste schließlich wurde in den 70er Jahren ganz am Rand in der Südstadt angelegt. Dahinter sind nur noch Felder; dann kommt die Müllkippe. Vermutlich waren es immer pragmatische Entscheidungen, die die Burgdorfer früherer Jahrhunderte und Jahrzehnte bewogen, da oder dort einen Friedhof anzulegen. Aber interessant ist es schon, der Frage nachzugehen, warum hier auf dem Spittaplatz direkt neben der Kirche heutzutage ein Fest das andere jagt, aber der jüngste Friedhof ganz am Ende der Stadt angelegt wurde. Angelegt wurde. Was bedeutet ist, wenn wir aufhören, mit den Toten zu leben? Ich gehe inzwischen wieder oft auf Friedhöfe - nicht nur aus beruflichen Gründen. Ich spüre, dass ich dort nah dran bin an der Kernbotschaft des christlichen Glaubens, wenn ich Grabsteine sehe und wenn Erinnerung wach wird. Um einen Friedhof machen die meisten Menschen heute einen Bogen. Und die Tage von Karfreitag bis Ostern passen nicht zu den Botschaften dieser Zeit Diese Tage werden von der Gesellschaft längst übersprungen. Sie passen nicht. Man will in möglichst kurzer Zeit möglichst viel erleben. Am liebsten immer nur Schönes. Wie mitten aus dem Schmerz und Leid neues Glück und neue Hoffnung entsteht, davon erzählen uns die Ostergeschichten der Bibel. Es gibt kein Osterfest ohne Karfreitag. Es gibt keinen Karfreitag, ohne das die österliche Hoffnung schon spürbar ist. Die Botschaft des Osterfestes zeigt Wege für die Liebe in der Welt von morgen: den Schmerz ausweinen, ohne das es das Herz zerreißt .... die Trauer leben, ohne sich im Schmerz zu vergraben ... die Schuld begreifen, ohne im schlechten Gewissen zu ersticken oder andere daran ersticken zu lassen ... mitten im Tod die Liebe entdecken ... das Böse in dieser Welt mit offenen Augen sehen, ohne dass die Wut in blinden Hass umschlägt .... ohne dass die Ratlosigkeit (die uns oft umfängt) sich in Welt- und Menschenverachtung verliert. Zu Ostern kann unser Leben neu beginnen. Die Sprache, mit der uns Paulus und Luther und Bach das Ostergeschehen verstehbar und glaubbar machen wollen, sind sehr fremd. Es ist zunächst echte Arbeit, sich da hinein zu vertiefen. Aber wenn wir verstehen, was da geschrieben, gesagt und gesungen wird, dann geht unter die Haut. Wir beginnen, unser Leben zu begreifen. Zum Leben gehörte das Schöne. Davon möge es ganz viel geben. Das mögen wir auskosten und genießen. Aber wenn der Stachel des Todes unser Leben berührt, wenn wir gefordert sind, den Schmerz anderer mitzutragen, dann dürfen wir nicht ausweichen. Aber am Ende wird das Leben immer wieder neu beginnen. Am Ende wird gefeiert. Auch in dieser Osterkantate. Musikalisch hat das Osterfest ja nach Strophe 4 noch gar nicht richtig begonnen. Erst in Strophe 6 heißt es: So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen läßt. Er ist selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleuchtet unsre Herzen ganz ... Ich selber höre die Kantate heute zum ersten Mal. Ich bin gespannt, wie Bach das Osterfest feiert. Hören wir einfach weiter. Amen |
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Ablauf |
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· Glockengeläut · Bachkantate: Sinfonia, Versus 1 · Votum und Begrüßung · Eingangslied 99 „Christ ist erstanden“ · Psalm 118 · Gloria Patri – Kyrie - Gloria in excelsis - Salutatio · Tagesgebet 1. Lesung (Epistel: 1. Kor. 15, 12-20) · Halleluja – Vers – Halleluja · Bachkantate: Versus 2+3+4 · Predigt · Bachkantate: Versus 5+6+7 · Credo · Mitteilungen · Lied 117 „Der schöne Ostertag“ · Fürbittengebet · Vater unser · Kanon 118 „Der Herr ist auferstanden!“ · Verabschiedung und Segen · Musik |
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