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Kirchentagslosung: „Lebendig und Kräftig und schärfer“

Ausschnitt aus der Predigt am 10.7.07
anlässlich des 25jährigen Jubiläums des Fördervereins - von Pastor Wolfgang Thon-Breuker



... Kommen wir zum Förderverein: das Wirken des Fördervereins hat, wenn wir zurückblicken, aber auch wenn wir den zukünftigen Herausforderungen entgegenblicken, ganz viel mit der Losung des Kirchentags zu tun.
Der Förderverein ist mehr als ein Bauverein.
Hinter dem, was der Förderverein macht, steht eine Glaubenshaltung und eine Auffassung von Kirche, die Kirche dahin zurückbringen will, wo sie geografisch seit Jahrhunderten steht - in die Mitte der Stadt: „Hier, Ihr Bürger von Burgdorf. Das ist eure Kirche. Die schadhaften Glocken sind eure Glocken. Sie zu ersetzen, ist eure Aufgabe.“

Wer so reden will mit den Bürger und Bürgerinnen der Stadt, kann sich nicht verschanzen in den scheinbar sicheren Mauern eines Kirchengebäudes,
sondern muss auf die Leute zu gehen.
Dafür stand der Förderverein gestern auf dem Kunstmarkt, demnächst auf dem
Oktobermarkt und auf dem Weihnachtsmarkt: Mittendrin, um Kirche ins Gespräch bringen, um zurückzugewinnen, was die Kirche in den vergangene Jahrzehnten auch in dieser Stadt an Bedeutung verloren hat. Nicht einfach achselzuckend akzeptieren, dass die Menschen heutzutage nach allem und jedem suchen, aber aufgehört haben, nach Gott zu suchen.

„Burgdorf verliert seine Stimme“,
so heißt die Spendenaktion, die der Förderverein und andere engagierte Bürger diese Stadt angeschoben haben. Ein gewaltiges Projekt. 220.000 € werden benötigt. Kürzlich kam ein engagiertes Mitglied der Kirchengemeinde zu mir und sagte recht zornig: „Jetzt habt ihr mir schon wieder einen Brief geschrieben. Das heißt es: Burgdorf braucht Glocken. Ihr sagt überall immerzu: Burgdorf, Burgdorf. Warum sagt denn niemand, dass die Glocken zum Gottesdienst rufen?“

Das Mitglied der Kirchengemeinde kritisierte nicht, dass wir ihn um eine Spende bitten. Er kritisierte, dass wir nicht lebendiger und Kräftiger und schärfer darauf hinweisen, wozu die Glocken da sind.
Sie rufen in den Gottesdienst. Sie sollen helfen, auch in unserer Stadt eine neue Glaubensenergie zu entfachen.
Unsere Stadt braucht beides: mehr Bürgersinn und mehr gelebte Frömmigkeit.
Wie beides miteinander in Beziehung steht, hat Pastor Rudolf Bembenneck in der Festschrift vom 2. Advent 1984, dem Datum der Wiedereinweihung der renovierten Kirche, auf treffende Weise beschrieben: „Die Kirche mitten in der Stadt ist für viele Menschen der Ort, der mit den Knotenpunkten des Lebens verbunden ist, mit Geburt und taufe, mit Konfirmation, mit Lied und Tod.
Es mag sein, dass wir auf weite Strecken unseres Lebens von den Anforderungen des Alltags zugedeckt werden.
An den Knotenpunkten des Lebens brechen die Fragen nach Sinn und Ziel menschlicher Existenz auf. Was gibt dem Leben Inhalt? Welchen Wert hat unser irdisches Dasein, wenn es doch unausweichlich auf den Tod hin entworfen ist? Ist die Zeit zwischen unserer Geburts- und unserer Sterbestunde einfach „Alles“?. Das Kirchgebäude in der Stadtmitte ist der Raum, in dem sich die Gemeinde zum Gottesdienst trifft, um sich sagen zu lassen, was wir uns nicht selber sagen können: es gibt mehr als alles. Unser Leben entspringt nicht einer Zufallslaune der Natur, sondern dem Willen Gottes. Unser Leben ist nicht gleichgültig, alles, was wir tun und lassen, muss vor Gott verantwortet werden. Unser Leben hat eine Wert, weil Gott ihm in unergründlicher Liebe zugewandt ist. Unser Leben hat ein Ziel, weil Gott über den Tod hinaus an uns festhalten will. Und das gibt „mehr als alles“, nämlich bleibenden ewigen Sinn.
Das Kirchgebäude in der Stadtmitte ist der Raum, in dem sich die Gemeinde zum Gottesdienst trifft, um sich sagen zu lassen, was wir uns nicht selber sagen können: es gibt mehr als alles.“

Übrigens: gestern hat ein Mitglied des Fördervereins 1000,- € gespendet, die ersten 1000,- €, damit unsere Spendenbarometer für heute auf 50.000 € steigt, damit wir uns künftig von neuen Glocken zum Gottesdienst rufen lassen, um daraus ermutigt, gestärkt und geschärft in den Alltag der Stadt zurückzukehren - und das am besten Woche für Woche.

Also danke noch mal für den kritischen Hinweis diese Mitgliedes unsere Kirchengemeinde.
Glocken sind kein Selbstzweck. Sie rufen zum Gottesdienst. Sie erinnern daran, dass der Glaube auch in unserer Stadt immer wieder neu belebt werden muss.
Neue Glocken sind nicht alles. Die besten Glocken sind immer noch wir selbst. Deshalb sollten wir samstags, wenn wir unsere Einkäufe machen und Freunde und Bekannte treffen – auf dem Markt, bei Aldi, bei Kramer oder bei einem dieser schönen Feste, die das Leben in Burgdorf so lebenswert machten, einander fragen: „Und? Treffen wir uns morgen zum Gottesdienst?“

Wenn es diese kostengünstigen Glocken in dieser Stadt nicht gäbe – in Afrika nennt man so etwas „Buschfunk“, dann bräuchten wir auch keine neuen Glocken aus Bronze für 220.000,- €.

Wir brauchen beides, besonders aber ein offenes Ohr für Gottes Wort: Es ist lebendig und Kräftig und schärfer – wirksamer als jedes zweischneidige Schwert. Es wird uns ermutigen, den Glauben neu in diese Stadt zu tragen – auf eine persönliche und den Menschen zugewandte Art.