Weihnachten ist uns in die Wiege gelegt

Andacht von Matthias Paul, Pastor in der St.-Paulus-Kirchengemeinde Burgdorf


Vielleicht gehören Sie ja zu den Weihnachtsmuffeln. Davon gibt es nicht wenige. Ob Jesus vielleicht sogar selbst so einer gewesen wäre? Halb amüsiert, halb genervt haben Sie vielleicht das Treiben kurz vor Weihnachten verfolgt. Diese Mischung aus Sentimentalität und echten Gefühlen. Haben sich aber gesagt: Nein, eigentlich will ich damit nichts zu tun haben.

Vielleicht, weil Sie mit dieser ganzen Jesus-Geschichte für sich nichts anfangen mögen. Vielleicht aber auch, weil Sie Ihnen ganz wichtig ist. Und Sie den Eindruck haben: Nein, dieser ganze Trubel, der wird dem Kind von Bethlehem doch nun wirklich nicht gerecht. Oder waren Sie froh, als nach Weihnachten das Leben endlich wieder in seine normalen Bahnen gefunden hat? Weil Sie das mit Weihnachten nicht an sich herankommen lassen wollten? Zu viel Gefühl, und plötzlich kann man nicht mehr fliehen, wenn man eigentlich ziemlich unzufrieden mit dem Leben ist – in diesem Tagen, wo man sich noch nicht einmal mit dem Einkaufen trösten kann?

Ja, es kann ganz schön an die Nieren gehen, wenn die Fassade, mühsam im Alltag aufrecht erhalten, bröckelt, weil da ein paar Tage ganz anders sind. Und doch scheinbar alle anderen viel glücklicher sind als man selbst. Ich fühle mich den Weihnachtsmuffeln unter Ihnen ziemlich nahe. Nicht, weil mir etwa mein Beruf als Pastor an Weihnachten keinen Spaß macht. Ganz im Gegenteil. Vielleicht ist Weihnachten sogar einer der Gründe, warum ich ihn ergriffen habe. Weil ich die Idylle unter dem Tannenbaum in der Kirche immer tiefgründiger fand als zu Hause. Es legt sich dieser Zauber über unseren Alltag, den wir uns selbst nicht schaffen können. Weihnachten ist für mich so schön, weil man es überhaupt nicht „machen“ kann. Sondern es uns in die Wiege gelegt wird. Und das bleibt, auch wenn jetzt, nach dem 6. Januar, allmählich die Bäume abgeschmückt werden. Und die Schätze verwahrt werden. Bis zum 24. Dezember 2010.