
Manuela Fenske-Mouanga, Mitarbeiterin des Hospizdienstes
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„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich an meiner rechten Hand.“ (Psalm 73, 23) Ich erinnere mich an Petra. Sie hatte einen Hirntumor und war die erste, die ich als Koordinatorin im Hospizdienst im Rahmen meiner Arbeit begleitete. Petra hatte – als ich sie kennen lernte –bereits eine Operation und mehrere Behandlungen mit Chemotherapie und Bestrahlung hinter sich. Diesmal war sie aus dem Krankenhaus entlassen worden mit den Worten: “Wir können nichts mehr für Sie tun. Sie werden an dem Tumor sterben.“ In unseren ersten Begegnungen war ich unsicher. Petra war nur wenige Jahre älter als ich. Ich wusste nicht, was für ein Mensch sie war, was sie in ihrem Leben erlebt hatte, womit sie sich gerne beschäftigte oder woran sie glaubte. Wir redeten über Alltägliches. Wir schauten aus dem Fenster und erzählten über das, was auf der Straße passierte. Ich dachte, vielleicht möchte sie ja irgendwann über ihr Sterben oder ihren Tod sprechen. Ich spürte ihre Traurigkeit, ihren Zorn über die Ungerechtigkeit des Lebens und ihre Suche nach einem Schuldigen. Im Angesicht des Todes erwartete ich Tiefgründiges, intensive Gespräche. Aber Petra blieb still. Einmal, während eines langen Schweigens, griff sie nach meiner Hand. Ich verstand, was ihr wichtig war: ein Mensch neben sich, der sie begleitete in einer schweren Zeit, der nicht von ihr wich, auch wenn sie Erwartungen nicht erfüllte, in dessen Gegenwart sie sein durfte, wie sie war. Das Halten der Hände gab ihr Sicherheit und Mut, um den Weg, den sie vor sich hatte, zu gehen. Auch ich brauchte in unseren Begegnungen Sicherheit und Mut. Um bei ihr zu bleiben, wenn ich mich fragte, ob ich das Richtige tat oder sagte; wenn ich zweifelte, ob Gott uns Menschen wirklich liebt und keine Antwort auf das Warum bekam. „Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich an meiner rechten Hand.“ Es tut gut zu wissen, das jemand da ist, der mich an der Hand hält, der trotz meiner Zweifel mit mir geht, mich leitet, wenn ich nicht weiter weiß – diese Gewissheit lässt mich auch die schweren Dinge im Leben tun und das Unerklärliche ertragen. Ich brauche Gott für mich als Weggefährten, um für andere Menschen da zu sein und sie auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens nicht allein zu lassen. |
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