
Die Burgdorfer Tageswohnung am Eingang der Mühlenstraße ist dicht mit Efeu bewachsen.
Photo: Wolfgang Thon-Breuker
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Impressionen von Pastor Wolfgang Thon-Breuker: Die Burgdorfer Tageswohnung am Eingang der Mühlenstraße ist dicht mit Efeu bewachsen. Sie wirkt schon äußerlich einladend. Im Innern ist es sehr sauber, ein bisschen verwohnt zwar, aber liebevoll eingerichtet. Hier ist der Gast herzlich willkommen. Das spürt man sofort. Um den Küchentisch versammelt ist die Kernmannschaft des Hauses. Man beendet das Kartenspiel und widmet sich dann mir und meinen Fragen. Wir stellen uns gegenseitig vor. Alle waren jahrelang auf der Straße, bevor sie durch die Hilfe der Burgdorfer Tageswohnung in Burgdorf sesshaft wurde – einige erst seit wenigen Monaten,andere seit Jahren. „Kann man sich denn einfach in einer Stadt anmelden, wenn man keine Wohnung hat?“ Alle lachten, als ich diese Frage stellte. Alle hatten jahrelange Erfahrung mit Meldebehörden in Deutschland. Ohne Wohnung kann man sich nicht anmelden. Und in der Regel vermietet niemand an einem Obdachlosen. Also bleibt man wohnungslos. Durch gute Kontakte zu den Wohnungsgesellschaften konnte die Sozialpädagogin Marion Carstens ihrer Klientel Wohnungen vermitteln. Auch mit der Stadtverwaltung wurden unkomplizierte Wege der Zusammenarbeit gefunden. Dahinter steht ein über Jahre gewachsenes Vertrauen. Wer über die Kontakte der Tageswohnung in den städtischen Unterkünften untergebracht wird, macht in der Regel keinen Ärger. Man achtet aufeinander. Man hilft sich gegenseitig. Das ist die „Kultur der Tageswohnung“ Beispielhaft erzählt Herr H. am Küchentisch seine Lebensgeschichte. Er ist erst 48 Jahre alt, wirkt aber viel älter. 20 Jahre war er auf der Straße und er wusste die Freiheit zu schätzen. Jahrelanger Alkoholmissbrauch führte bei ihm zu schweren Durchblutungsstörungen. Er kann die Füße kaum noch bewegen. Immer wieder hatte er sich bis zur Bewusstlosigkeit betrunken. Er wurde aufgegriffen, im Krankenhaus behandelt, zuletzt in ein norddeutsches Pflegeheim eingeliefert und einem Betreuer unterstellt. Von dort ist er geflohen. Schließlich hatte er in der Tageswohnung Hilfe gefunden. Jetzt lebt er in "Drei Eichen". Die anderen schauen nach ihm, ob er Hilfe braucht. Wenn die Obdachloseneinrichtung in "Drei Eichen" morgens geschlossen wird, dann öffnet die Tageswohnung ihre Tür. Hier kann man Wäsche waschen, sich ausruhen, essen, Geburtstag feiern, ein Stück Heimat erfahren. Seit Jahren ist Alkohol in der Tageswohnung kein Problem mehr. Man achtet gegenseitig darauf, dass man sich nicht betrinkt. Auch das ist die Kultur des Hauses. |
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