
Die Kindergartenkinder – hier Ava (oben von links), Pia, Philipp (davor), Kai, Julius, Neam und Joschua – sind der Erzieherin Martina Last ans Herz gewachsen wie eigene Kinder. Köhler
In den vergangenen 35 Jahren haben unzählige Kinder den Kindergarten der St.-Pankratius-Kirchengemeinde am Fröbelweg besucht und wieder verlassen, sind diverse pädagogischen Konzepte aufgekommen und diskutiert worden. Eines ist in all den Jahren jedoch geblieben: Martina Last.
Gerade einmal 22 Jahre alt war die Erzieherin, als sie 1976 die Leitung der evangelischen Kindertagesstätte übernahm. „Du, da wird ne Stelle frei“, hatte ihr die damalige Leiterin des Matthäus-Kindergartens in Lehrte gesteckt. „Ich arbeitete damals nur halbe Tage. Das war zu wenig für das, was ich bewegen wollte“, erinnert sich die 57-Jährige. „Doch ich hätte im Leben nicht gedacht, dass das klappt.“ Doch die Chemie stimmte, Pastor Rudolf Bembenneck und der Kirchenvorstand betrauten die damals junge Frau mit der verantwortungsvollen Aufgabe. Sie dankte es ihnen, indem sie Dinge in Bewegung brachte. „Natürlich immer gemeinsam mit meinem Team, das alles mitträgt.“
Veränderungen gab es nicht zu knapp: Ausgeweitete Betreuungszeiten, die Einführung einer Krippe, integrative Gruppen und die Forderung nach mehr Bildung sind nur einige Facetten. Geschuldet seien all diese vor allem der immer schnelllebigeren Zeit, die an Eltern, Kinder und Erzieher gleichermaßen hohe Ansprüche stelle, sagt Last: „Als ich anfing, war der Vormittagkindergarten gang und gäbe. Heute gehen die wenigsten schon mittags.“ Die Berufstätigkeit beider Eltern sei auch für die große Nachfrage nach Krippenplätzen verantwortlich. „Wir haben als erste Burgdorfer Einrichtung eine Krippengruppe eingeführt. Nicht weil wir das unbedingt wollten, sondern, weil der Bedarf da war.“ Auch die Kinder seien anders geworden: „Es gibt viel weniger Kinder, die völlig selbstvergessen ganz im Spiel aufgehen“, sagt sie.
Den Grund dafür und für zunehmende Sprachdefizite sieht Last in den vielen verschiedenen, gerade auch medialen Reizen, die tagtäglich auf die Kinder einprasselten. Hier einen liebevollen Kontrapunkt zu setzen sei die wohl wichtigste Aufgabe, der sich Eltern und Erzieher gemeinsam nähern müssten: „Kinder müssen Kinder sein dürfen.“ Das versucht Last seit jeher mit offenen Gruppentüren und klaren Grenzen. „Kinder lernen mit allen Sinnen durch Ausprobieren, beim Klettern und Toben genauso wie im Rollenspiel“, sagt Last. Aktivitäten haben deshalb im naturnah gestalteten Außengelände genauso ihren festen Platz wie in dem 1995 eingerichteten Bewegungsraum. Bildungsprogrammen misstraut Last hingegen: „Bildung läuft nur über soziale Beziehungen“, sagt sie: „Ich hoffe darauf, dass irgendwann einmal kleinere Gruppen den passenden Rahmen dafür bilden.“
Red. Sandra Köhler, HAZ, Anzeiger für Burgdorf, 20.09.11
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