Konzert mit dem Hauch eines Wunders

Eine ergreifende Premiere: Jüdische Musik erklingt vor rund 350 Zuhörern in der Burgdorfer Pankratiuskirche


Die Kantorei singt unter der Leitung von Andor Iszák am 24.02.2008 Foto D. Heun

Rund 350 Musikliebhaber haben ein außergewöhnliches musikalisches Ereignis in der Burgdorfer Pankratiuskirche erlebt: das Konzert „Die Stimme der Synagoge“.

Angesichts des Holocausts habe das Konzert den Hauch eines Wunders, sagte der Pastor im Ruhestand, Rudolf Bembenneck – zum ersten Mal erklang in der Pankratiuskirche liturgische Musik, wie sie bis 1938 die Gottesdienste der jüdischen Gemeinden in Deutschland geprägt hatte.

Die Kantorei singt am 24.02.2008 in dem Konzert "Die Stimme der Synagoge" Foto D. Heun

Die Burgdorfer Kantorei, die durch Sänger des Hamburger Synagogalchores und des Ensembles für Synagogale Musik Hannover verstärkt wurde, sang unter Leitung von Andor Iszák, Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik in Hannover, Psalmvertonungen von Louis Lewandowski und Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Burgdorfer Kantor Martin Burzeya begleitete den Chor an der Orgel.

Andor Iszák, Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik in Hannover. Foto D. Heun

Ungewohnt für viele Ohren war der kantorale Gesang, den zwischen den Psalmen Emil Tóth, Oberkantor des Rabbinerseminars in Budapest, zu Gehör brachte. Bei seinem ersten Auftritt klang sein Gesang sehr orientalisch. Die Melodie eines später vorgetragenen Segensspruches ähnelte einem fröhlichem Schlager. „Der Kantor ist in der Synagoge der Vorbeter“, sagte Iszák. Als die Zuhörer – unter ihnen auch der frühere Ministerpräsident Ernst Albrecht – nach dem zweiten Psalm das erste Mal klatschte, sagte Iszák, dass das in einer orthodoxen Synagoge undenkbar sei. Dort wäre der Rabbiner sofort aufgesprungen und hätte gerufen: „So geht das nicht!“ Aber: „Wenn sie wollen, können sie ruhig applaudieren. Vielleicht singt der Kantor dann noch schöner“, sagte Iszák. Bembenneck, der das jüdische Leben in Burgdorf erforscht, erinnerte daran, dass es in der Auestadt seit Beginn des 18. Jahrhunderts synagogale Musik gegeben habe. Weil mehr als 60 Burgdorfer Juden zu den Holocaust-Opfern zählten, sei das Konzert ein Geschenk. „Es hat nach der Shoa den Hauch eines Wunders“, sagte Bembenneck.

Aus der HAZ (Anzeiger für Burgdorf vom 26.02.08)

Redaktion: Friedrich- Wilhelm Schiller

Emil Tóth, Oberkantor des Rabbinerseminars in Budapest im Konzert am 24.03.3008 Foto: D. Heun