Aufführung der Carmina Burana

Wagnis mit Orffs Werk gelingt


Der ausverkaufte Spittaplatz (großes Bild) wird von drei Chören, drei Solisten und fast einem Dutzend Musiker beschallt. Foto Heinze

Als es geschafft war und die Chorsänger sich in die St.-Pankratius-Kirche zurückgezogen hatten, ließen sie sich in die Bänke fallen. Erschöpft, aber glücklich. Gerade hatten sie ein ungewöhnliches Konzert gegeben, das Höhepunkt und Abschluss der Burgdorfer Nacht war: 150 Sänger und Instrumentalisten führten auf dem Spittaplatz vor etwa 700 Besuchern die Carmina Burana von Carl Orff auf. Das Konzert war ein Wagnis. Zum einen kann es akustisch heikel werden, klassische Musik unter freiem Himmel aufzuführen – besonders dann, wenn rhythmische Präzision so entscheidend ist wie in Orffs weltlicher Kantate. Vor allem aber ist es bei einer so großen Zahl von Mitwirkenden umso schwieriger, rhythmisch exakt zu sein. Aber das Abenteuer gelang. Dirigent Martin Burzeya hatte sich für die schlanker besetzte Version mit zwei Klavieren und sechsköpfiger Percussiongruppe entschieden. Letztere, besetzt mit Studenten der Hochschule für Musik und Theater Hannover, erwies sich als präsent und exakt. Sie bildete mit den Pianisten Bernd Grußendorf und Tina Röber-Burzeya eine gute Grundlage für den großen Chor aus Burgdorfer Kantorei, Burgdorfer Kammerchor sowie Kinder- und Jugendkantorei. Auch die Tontechniker – ein Spezialist aus Hannover verstärkte unter Assistenz von jungen Technikern des Johnny B. die Musik elektrisch – leisteten ganze Arbeit: Der Chor klang stets transparent und ausgewogen. Melodische Entwicklungen hält Orff bewusst einfach und unauffällig, damit der prägnante Rhythmus stark in den Vordergrund tritt. Für den Chor und die Gesangsolisten macht es das schwierig: Wenn der Gesang ausdrucksvoll klingen soll, müssen sie umso genauer wissen, was sie mit einer Melodie machen wollen. Burzeya widerstand der Versuchung, den Chor schlanke Gesangspartien künstlich anfetten zu lassen. Dadurch stachen dramatische Höhepunkte umso besser heraus. Wie die mit den Solisten Dietmar Sander (Bariton), Konstanze Ruttloff (Sopran) und Jean-Sébastian Stengel (Tenor). Sie kitzelten aus ihren Partien viel Spannung heraus. Während der spektakulären Schlusstakte zeigten vor der Bühne junge Artisten vom Johnny B. eine Feuershow: Dynamisch, aber genau durchdacht – ein Abbild des Konzerts. Weitere Bilder zur Burgdorfer Nacht finden Sie unter www.myheimat.de/beitrag/576279 und www.myheimat.de/beitrag/575928 Aus HAZ Anzeiger für Burgdorf 07.06.2010 von eike brunhöber

Die Burgdorfer Kinderkantorei, die Kantorei und der Kammerchor füllen die Bühne für die Aufführung von Orffs wohl bekanntestem Werk. Foto Heinze