
Blendend aufgelegt und stimmgewaltig meistert die Burgdorfer Kantorei Bachs Weihnachtsoratorium. Köhler
Keine Adventszeit ohne Weihnachtsoratorium: Für unzählige Musikfreunde gehört das wohl populärste Werk des Barock-Komponisten Johann Sebastian Bach buchstäblich zum guten Ton. Kein Wunder, dass sich am Sonnabend mehr als 400 Besucher von der Aussicht auf einen gelungenen Konzertabend in die St.-Pankratius-Kirche locken ließen.
Kantor Martin Burzeya lies die rund 80 Sängerinnen und Sänger der Kantorei in gemischter Aufstellung antreten und tat gut daran. Was von den Chormitgliedern vermehrtes Ohrenspitzen zugunsten der Feinabstimmung verlangte, zahlte sich aus. Souverän und homogen zugleich ließ die Kantorei Chöre und Choräle der ausgewählten Teile I, III, V und VI erklingen und hielt spielend die nötige Spannung aufrecht. Einzig im Chor „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“ hätten die Männerstimmen ein wenig kämpferischer agieren dürfen. Wohltuend flotte Tempi, wohlgesetztes Continuo und sauber tönende Barocktrompeten – mit dem gut aufgelegten Burgdorfer Kantatenorchester hatte Burzeya eine gute Wahl getroffen, ebenso mit den Solisten. Altistin Claudia Erdmann bestach mit einem warmen und ausdrucksstarken Vortrag. Friedrich von Mansberg lies mit seinem klaren, hellen Tenor den Evangelisten lebendig und gut verständlich zur Geltung kommen. Der dem Knabenchor Hannover entstammende Hans Christian Hinz gab einen soliden, schlanken und unaufgeregten Bass. Sonja Stephans schöne, reine und hörenswerte Sopranstimme ging angesichts der allgemeinen Klangfülle leider anfangs ein wenig unter.
Einziger Wermutstropfen in der gelungenen Aufführung waren Zwangspausen wegen lauter Geräusche von der Straße. Bei der Wahl der vom Publikum laut und ausdauernd geforderten Zugabe setzten sich die Akteure dann gegen ihren Leiter durch: Hatte Burzeya „Ehre sei dir, Gott, gesungen“ im Sinn, erschallte schließlich mit Pauken und Trompeten der Eingangschor schlechthin: „Jauchzet, frohlocket“.
aus: Hannoversche Allgemeine Zeitung Anzeiger für Burgdorf und Uetze vom 19. Dezember 2011, Red. Sandra Köhler Burgdorf
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