Brief des Bischofsrats und Stellungnahme unserer Superintendentin zu den Weihnachtsgottesdiensten und zur aktuellen Lage

Foto: Christian July.

Der Bischofsrat der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hat sich am 18. Dezember 2020 in einem Brief an alle Kirchenvorstände und Pfarrämter gewandt, um ihnen vor diesem ganz besonderen Weihnachtsfest herzlichen Dank und Respekt für ihren verantwortungsvollen Einsatz auszusprechen.

Hier der Brief im Wortlaut:

Liebe Schwestern und Brüder, das Weihnachtsfest 2020 feiern wir in unserem Land in einer bisher einmaligen Situation. Sie haben zusammen – Haupt- und Ehrenamtliche in guter Gemeinschaft – seit Monaten mit Liebe und manch neu entdeckter Begabung, zugleich in großer Verantwortung dieses Weihnachten vorbereitet – besonders den Heiligen Abend.

Wer hätte gedacht, dass es in unserer Kirche so vielfältige digitale Gottesdienste, Vespern auf dem Trecker, Konfi-Arbeit über Instagram und Adventsandachten in Tüten gibt. Sie haben Seelsorge-Hotlines in Kirchenkreisen aufgebaut und Menschen in innerer und äußerer Not begleitet. Sie sind gegen den eigenen Zweifel und die eigene Erschöpfung in den zurückliegenden Monaten zuversichtlich geblieben und haben schon das weihnachtliche „Fürchtet Euch nicht“ gepredigt. Die Kreativität des Glaubens reißt viele mit und wird auch von außen mit Anerkennung und Freude wahrgenommen. Seit Monaten arbeiten Sie unter den Bedingungen des Ausnahmezustandes, passen an, bauen um und machen es ganz anders. Dafür möchten wir Ihnen sehr herzlich danken.

Nun ist der Lockdown da, kurz vor Heiligabend. Können wir an Gottesdiensten mit physischer Präsenz festhalten, wenn Zusammenkünfte sonst verboten sind? Es werden vor Ort und in den Medien viele kritische Fragen gestellt. Diese Fragen machen uns allen sehr zu schaffen. Für alle Optionen gibt es gute Gründe. Was auch immer wir entscheiden, wir ernten Widerspruch.

Die Rechtslage erlaubt – anders als zu Ostern – Gottesdienste ausdrücklich. Die Sicherheitsauflagen, die bei uns seit Langem eingeübt sind, gelten dabei selbstverständlich. Die politisch Verantwortlichen respektieren das hohe Recht freier Religionsausübung, zugleich ist ein großes Vertrauen gewachsen in den verantwortlichen und umsichtigen Umgang der Kirchen mit der Situation.

Nach heutigem Stand möchten wir Sie ermutigen, an den geplanten Gottesdiensten und anderen Formen des Feierns zu Weihnachten festzuhalten. Wir feiern Gottesdienste ja nicht für uns, sondern weil gerade in diesem Jahr für viele Menschen die Möglichkeit, die Weihnachtsbotschaft zu hören und gemeinsam zu feiern, wichtig ist. Alle, die an einem Gottesdienst teilnehmen, entscheiden das frei und eigenverantwortlich.

Viele belastet die Verantwortung, die sie tragen. Wir unterstreichen: Wenn Sie in örtlich angepasster Weise die Handlungsempfehlungen unserer Landeskirche beachten, handeln Sie verantwortlich! Wir stehen hinter Ihnen, selbst wenn es Gegenwind gibt.

Das gilt auch dann, wenn Sie entscheiden, an ursprünglich geplanten Gottesdienstformaten nicht festzuhalten. Manche Gemeinden haben solche Entscheidungen getroffen. Was immer Sie nach bestem Wissen und Gewissen für Ihre Gemeinde entscheiden, hat unsere Rückendeckung. Die Entscheidungen, die Sie vor Ort treffen, kann und darf Ihnen niemand abnehmen. In dieser Eigenverantwortung unterstützen wir Sie ausdrücklich.

Weihnachten wird in diesem Jahr vielfältig und bunt sein. Gemeinden werden unterschiedliche Wege gehen. Gut, wenn die Öffentlichkeit erfährt, in welcher Weise – dezentral, online, open air usw. – Weihnachten in der Gemeinde gefeiert wird, auch unter sich möglicherweise weiter ändernden Bedingungen.

Weihnachten, wie es die Bibel überliefert ist, begann mit einer großen Enttäuschung. Die Sehnsucht nach Heil wurde anders erfüllt als erwartet. Klein, verletzlich, am Rand der Welt hat sich Gott in dem Kind in der Krippe gezeigt. So kommt Gott uns auch in diesem Weihnachtsfest nah, vielleicht näher als in den Festroutinen, die viele nun vermissen. Darauf vertrauen wir.

Wir wünschen Ihnen erfüllte und von unserem Gott gesegnete Weihnachtstage.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihre

Ralf Meister
Dr. Petra Bahr
Dr. Hans Christian Brandy
Eckhard Gorka
Dr. Detlef Klahr
Dieter Rathing

Bischofsrat der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

 

Weihnachten in Vielfalt feiern – das könnte das Motto des Weihnachtsfestes in diesem Jahr auch von unserem Kirchenkreis sein. Die Kirchengemeinden haben in intensiven Beratungen unterschiedlichste Formate entwickelt, um in diesem Jahr trotz aller Einschränkungen durch die Pandemie die Botschaft von Weihnachten zu den Menschen zu tragen.

Angesichts des zweiten Shutdowns in Deutschland haben die meisten Kirchenvorstände erneut beraten und überlegt, ob sie an geplanten Präsenzgottesdiensten festhalten, ob sich Änderungen durch die aktuellen Regeln ergeben oder Gottesdienste sogar absagt werden und vielleicht durch weitere Online-Formate ersetzt werden müssen.

Im Ergebnis gehen die Gemeinden damit sehr unterschiedlich um: Die einen können an Präsenzgottesdiensten in Stadien, auf Plätzen und in Kirchen festhalten – zusätzlich zu digitalen Formaten und Briefpost. Die anderen haben Präsenz-Gottesdienste bis einschließlich zum 10. Januar 2021 abgesagt und stellen stattdessen Online-Andachten ins Netz oder verweisen auf die vielen anderen dezentralen Angebote für die Menschen.

Superintendentin Sabine Preuschoff zeigt für jede dieser Entscheidungen großes Verständnis:

„Tröstet, tröstet mein Volk" – das ist als Kirche unser Auftrag! Ich bin dankbar für die Vielfalt der Ideen und Angebote, mit denen diese Botschaft von Weihnachten den Menschen nahegebracht wird. Ich kann die Entscheidung jener Gemeinden gut verstehen, die eher auf Präsenz-Gottesdienste verzichten angesichts der deutlich veränderten Pandemielage. Sie gehen nun ganz auf dezentrale oder Online-Angebote zu, so dass die Menschen trotz aller Kontaktvermeidung durch die Weihnachtsbotschaft erreicht werden. Zugleich unterstütze ich es, dass andere Gemeinden an Präsenzgottesdiensten festhalten – selbstverständlich in gewissenhafter Beachtung aller Abstands- und Hygieneregeln. Es ist so wichtig, dass Menschen das Wort gegen die Angst ganz unmittelbar und in Gemeinschaft hören können: „Fürchtet euch nicht!“

Es gibt bei dieser Entscheidung aus meiner Sicht kein grundsätzliches „richtig“ und kein „falsch“, sondern nur gewissenhafte Entscheidungen einzelner Kirchengemeinden, die unter den jeweiligen Gegebenheiten zu sehr unterschiedlichen Lösungen führen können. Mit der Bandbreite der Angebote haben wir als Kirche die große Sorge um die Gesundheit der Menschen und die Überlastung des Gesundheitssystems im Blick. Außerdem entsprechen wir unserem Auftrag, indem wir Menschen in Einsamkeit in aller Vorsicht und Besonnenheit die Möglichkeit anbieten, gerade jetzt nicht allein zu bleiben und getröstet zu werden durch das Wort der Zuversicht. Letztlich entscheiden die Menschen selbst, welches Angebot sie nutzen möchten.“

 

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