Einfach nichts tun und da sein

Glaubenssache

Pastor Dirk Jonas, Ev.-luth. St.-Pankratius-Kirchengemeinde, Burgdorf. Foto: Annette Lührs
Pastor Dirk Jonas, Ev.-luth. St.-Pankratius-Kirchengemeinde, Burgdorf. Foto: Annette Lührs

„Urlaub und Ferien sind ja keine biblischen Themen“, sagte mir mal ein Freund mit einem Grinsen im Gesicht, als wir über unsere bevorstehenden Sommerpläne sprachen. Nach dem Motto und mit einem Augenzwinkern: Du brauchst doch keinen Urlaub, Herr Pastor. Na warte, dachte ich, so leicht jagst du mich nicht ins Bockshorn.

Was heißt „Ferien“ auf englisch? Holidays. Holy days. Heilige Tage. Da ist er, der biblische Anknüpfungspunkt, grinste ich zurück. Die Erinnerung an die erste Schöpfungserzählung im Ersten Testament: „Am siebten Tage ruhte Gott von seinen Werken und heiligte ihn.“

Mit anderen Worten: Was Gott gut tut, das tut auch seinen Menschenkindern gut. Macht es wie er. Macht einen Tag in der Woche Pause von Arbeit und Alltag. Ruht euch aus. Sammelt neue Kräfte. Unterbrecht das Wie-es-immer-ist für andere schöne Dinge. Dann kann auch Gottesnähe spürbar werden, die den Feiertag heiligt.

Was für den freien Wochentag gilt, das gilt auch für die Ferien, für die holy days, für den Urlaub. Im deutschen Wort „Urlaub“ steckt das Wörtchen „ur“. Wie in „ursprünglich“. „Ur“ wie: ganz am Anfang. Als wir noch Kinder waren. Als wir uns noch im Spiel verlieren konnten. Als wir noch zeitlos in den Tag hinein leben konnten.

Manchmal spüre ich sie auch als Erwachsener: Diese Ur-Sehnsucht wie ein Kind auf einer Wiese zu liegen und durch die Bäume in den blauen Himmel zu schauen. Einfach nichts tun. Da sein. Erleben. Nicht gleich wieder auf ein nächstes Ziel zugehen und alles verwerten. Zum Augenblick sagen können: Verweile doch, du bist so schön.

Das wäre ein tolles Urlaubsziel und ist überall möglich: Das Kind in sich entdecken. Sich wieder einmal etwas erlauben. Leben und nicht gelebt werden. Mal wieder bewusst schmecken, riechen, hören. Ohne dabei irgendeinen anderen Zweck zu verfolgen.

Natürlich geht es dabei nicht um einen Rückfall in eine verlorene Kindheit. Es heißt nicht „Werdet wieder Kinder“, sondern „Werdet wie die Kinder“ (vergleiche Matthäus-Evangelium Kapitel 18, Vers 3).

Dirk Jonas
Pastor der Ev.-luth. St.-Pankratius-Kirchengemeinde in Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen  schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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