Frohe und gesegnete Weihnachten

Gedanken zum "Lied der Lieder"

Weihnachtskrippe in der St.-Pankratius-Kirche.

Wir wünschen allen Besucherinnen und Besuchern unserer Homepage ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest 2019.

„Stille Nacht! Heilige Nacht.“ Wenn ich das weltweit berühmteste Weihnachtslied mal wieder nicht für die Christvesper am Heiligabend ausgesucht habe, dann weiß ich schon vorher: Es gibt anschließend nicht nur einen Rüffel von jemandem, für den dieses Lied im Gottesdienst am Heiligabend unverzichtbar ist. Ich kann das nachvollziehen – und halte „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ trotzdem nicht für alternativlos.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ Wenn ich das höre oder singe, denke ich spätestens bei der zweiten Strophe schmunzelnd an Heiligabende meiner Kindheit und Jugend. An den alten Witz, den ein Cousin Jahr für Jahr bei unserer Großmutter zum Besten gab, als wir noch bei ihr zusammen saßen. Ist lange her ... „Wie heißt Gottes Sohn mit (zweitem) Vornamen?“ ... „Owie! ... Gottes Sohn, Owie, lacht ...“ Blöd, ja. Aber die Erinnerungen, die damit geweckt werden, sind alles andere als blöd. Gott sei Dank!

„Holder Knabe im lockigen Haar, schlafe in himmlischer Ruh ...“ Sicher ist: Authentische Berichte der Hirten, die wir nicht haben, würden die Szene mit ganz anderen Worten beschreiben. Dichtung, die sprachlich aus der Zeit gefallen wirkt – für das überlieferte Ursprungsgeschehen wie auch für uns heute. „So süßlich ... romantisierend ...“, schütteln Zeitgenossen mitunter den Kopf. Ich tue es ihnen gleich. Aber ich habe „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ im Laufe der Zeit auch wieder lieb gewonnen.

Alle Interpretationen und Darbietungen, auch die missglückten, ja sogar die Verballhornungen von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ tilgen die Botschaft des Liedes nicht: Gott kommt in Menschengestalt zur Welt. Zur Welt, das heißt: zu allen. Nicht nur zu wenigen Auserwählten. Weihnachten ist Absage an jeden Exklusivitätsgedanken. Gott wählt nicht aus. Er kommt. Punkt. Zur Welt. Punkt.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ 1816 dichtete der junge österreichische katholische Hilfspfarrer Joseph Mohr den Text in Mariapfarr – übrigens drei Strophen mehr als die meistens nur abgedruckten drei Strophen. Zwei Jahre später komponierte Franz Xaver Gruber,  ein österreichischer Komponist und Lehrer, die Melodie in Arnsdorf. Und am Heiligabend vor genau 200 Jahren erklang „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ zum ersten Mal in der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ Seit einigen Jahren führt mich mein Weg von Zuhause zu den Gottesdiensten in St. Pankratius am Heiligabend immer einen kleinen Umweg über unseren kirchlichen Friedhof. Mich bewegt jedes Jahr die Stille dort am Heiligabend. Mich berührt, wie viele ungezählte Kerzenlichter über den ganzen Friedhof verteilt in das Dunkel der heiligen Nacht hinein flackern. Staunen! Wie viele Menschen kommen an diesem Tag hierher! Wie viel Sehnsucht ist spürbar! Und dann gehe ich meinen Weg weiter und weiß  „Euch ist heute der Heiland geboren.“

Pastor Dirk Jonas

 

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