»Nie wieder! Niemals wieder!«

Bomben auf Burgdorf vor 75 Jahren

An diesem Wochenende wird in der KulturWerkStadt in Burgdorf die Ausstellung »Bomben auf Burgdorf« eröffnet und das gleichnamige neue Buch von Heidi Rust, Dieter Heun und Tobias Teuber der Öffentlichkeit vorgestellt.

Beim Bombenangriff alliierter Streitkräfte vor 75 Jahren am Sonnabend, 24. Februar 1945, wurden unter anderem auch kirchliche Orte in Burgdorf beschädigt (die katholische St.-Nikolaus-Kirche) oder ganz zerstört: das evangelische Pfarrhaus auf dem Spittaplatz und das damalige Kirchenlokal der Neuapostolischen Kirche in der Friederikenstraße. Drei neuapostolische Frauen, die dort mit der Reinigung beschäftigt waren, kamen ums Leben. Zusammen mit dem Tieffliegerangriff vom 7. April 1945 sind insgesamt 38 Menschen in Burgdorf den Bomben in den letzten Kriegsmonaten zum Opfer gefallen.

Wie sieht 75 Jahre später im 21. Jahrhundert ein angemessenes Erinnern aus? Das Wichtigste aus meiner Sicht: Es darf nichts aussparen. Nicht das Ungeheuerliche der Schoa, also der Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens. Nicht die Ermordung von Sinti und Roma oder von Menschen mit einer Behinderung. Nicht die Verfolgung von Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer politischen Partei, ihrer sexuellen Prägung oder ... Diese Auflistung bleibt unvollständig. Zu ihr gehört auch die Erinnerung an die Opfer von Bombenangriffen wie die auf unsere kleine Stadt. Angemessenes Erinnern darf nichts aussparen. Es bedarf aber auch der Klugheit der Unterscheidung, denn es kann nicht immer zum selben Zeitpunkt und am selben Ort an alle und alles gleichzeitig gedacht werden. Das wird den Ereignissen und Opfern nicht gerecht.

Angemessenes Erinnern kennt immer drei Dimensionen: Es gibt ein historisches Erinnern, das danach fragt, was passiert ist. Es gibt ein empathisches Erinnern, das Opferschicksale angemessen würdigt. Und es gibt die Dimension öffentlichen Erinnerns, die insbesondere im Blick auf die Zukunft immer unerlässlich bleibt und bleiben wird. Etwa im Sinne der Worte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 23. Januar 2020 in Yad Vashem: »Natürlich: Unsere Zeit ist nicht dieselbe Zeit. Es sind nicht dieselben Worte. Es sind nicht dieselben Täter. Aber es ist dasselbe Böse. Und es bleibt die eine Antwort: Nie wieder! Niemals wieder!«

Neben Ausstellung und Buchpräsentation laden die damals betroffenen Burgdorfer Kirchengemeinden darum zusätzlich am Sonnabend, 22. Februar 2020, um 13.00 Uhr zu einem »Erinnerungsweg – 75 Jahre Bombenabwurf« ein. Beginn ist an St. Nikolaus. Der Weg führt über die Friederikenstraße zum Spittaplatz, wo namentlich an der Gedenktafel am Amtsgericht aller – auch der darauf nicht erwähnten – Opfer der Bombenangriffe erinnert werden wird.

Und schließlich wird am 7. April 2020 um 11.00 Uhr – etwa zu dieser Zeit fand der Tieffliegerangriff statt – auf dem kirchlichen Friedhof an der Uetzer Straße ein öffentliches Totengedenken stattfinden und zwar an den Gräbern der durch den Beschuss am 24. Februar und 7. April 1945 umgekommenen Menschen, die dort bestattet sind.

Dirk Jonas
Pastor der Ev.-luth. St.-Pankratius-Kirchengemeinde Burgdorf

 

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

 

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