"Und trotzdem glaube ich"

Glaubenssache

Letztes Jahr habe ich viele Hiobsbotschaften erhalten. Eine Freundin stirbt mit 49. Ein Freund mit 50. Dann noch eine Freundin mit 37, die zu diesem Zeitpunkt eine einjährige Tochter hinterlässt. Freunde verlieren ihr Kind drei Wochen vor dem Geburtstermin. Und da soll ich noch an den lieben Gott glauben? Ja! Denn mein Glaube heißt für mich Hoffnung. Meine Freundin bekam vor drei Jahren die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Aber sie hat ihren Glauben nicht verloren. Wenn wieder eine Kontrolluntersuchung ansteht, bittet sie mich: „Zündest du wieder eine Kerze an und betest für mich?“ Das tue ich dann auch. Gott um Hilfe bitten, damit auch nach dieser Untersuchung alles gut ist.

Ich erhalte mir meinen kindlichen Glauben an den alten Mann, der auf einer Wolke sitzt und alles richten wird. Aber mir kommen immer wieder Zweifel. Warum lässt Gott so was zu? Darüber habe ich auch mit meinem irdischen Chef gesprochen. Es war ein gutes Gespräch und die Erkenntnis, dass ich als Sekretärin einer Kirchengemeinde diese Zweifel haben darf, hat mich beruhigt. Ich werde auch bei der nächsten Untersuchung eine Kerze anzünden und für meine Freundin beten. Und nicht nur bitten, sondern auch danken, für all das Gute dass ich erfahren darf. Ich habe eine Arbeit, die mir Freude macht, meine Familie ist für mich da und seit einem Jahr habe ich einen Enkel, der mich zur glücklichsten Oma auf der Welt macht. Dieser kleine Mensch ist die Hoffnung, die mir trotz allem den Glauben nicht nimmt.

Petra Kemmer
Sekretärin in der St.-Pankratius-Kirchengemeinde
und Mit-Koordinatoren der "Helfenden Engel"

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„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

 

 

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