Klangvoll und experimentierfreudig

Nachricht Hamburg, 17. Juni 2026
Ein besonderer Höhepunkt: Der Burgdorfer Kammerchor Canticum Novum war aus insgesamt 99 Bewerbungen für das Festival "Die Elbphilharmonie singt" ausgewählt worden. Foto: Claudia Höhne

Canticum Novum begeistert Publikum in der Elbphilharmonie

Einen Tag lang stand die Elbphilharmonie ganz im Zeichen des gemeinsamen Singens – und mittendrin: Der Kammerchor Canticum Novum aus dem Kirchenkreis Burgdorf. Bei der Veranstaltung „Die Elbphilharmonie singt“ präsentierten sich 16 ausgewählte Chöre aus Norddeutschland auf vier Bühnen im berühmten Hamburger Konzerthaus. Neben Konzerten luden spontane Workshops zu Improvisationen, Stimmexperimenten und Body Percussion ein.

Für den Burgdorfer Kammerchor war der Auftritt in Hamburg ein besonderer Höhepunkt. Aus insgesamt 99 Bewerbungen war Canticum Novum für das Festival ausgewählt worden. Chorleiter Martin Burzeya-Wille berichtete, dass der Chor nach einer besonderen Sommeraktion gesucht habe. Wettbewerbe seien für die Sängerinnen und Sänger weniger interessant gewesen. Durch einen Hinweis auf Instagram sei er auf die Ausschreibung aufmerksam geworden. Mit einem Video einer Probe im Ratzeburger Dom habe sich der Chor beworben. Die positive Atmosphäre innerhalb des Ensembles sei auf den Aufnahmen deutlich spürbar gewesen, sagte der Chorleiter.

Die Freude über den Auftritt war bei den Chormitgliedern groß. Für Tenor Michael Schimanski schloss sich mit dem Konzert ein persönlicher Kreis. „Ich bin in Hamburg geboren und habe da 20 Jahre lang gelebt“, erzählte er. Den Bau der Elbphilharmonie habe er nach seinem Wegzug aus der Ferne verfolgt. Besonders bewegt habe ihn, dass sein Vater als Klassikliebhaber zum Konzert gekommen sei. Seine inzwischen verstorbene Mutter wäre ebenfalls stolz gewesen, sagte Schimanski. Deshalb sei der Auftritt in der Elbphilharmonie für ihn etwas ganz Besonderes gewesen.

Auch Chorsänger Burkhard Koenig zeigte sich begeistert. „Es war für mich eine geniale Möglichkeit, die Elbphilharmonie nicht nur von innen zu sehen, sondern auch die Akustik selbst auszuprobieren“, sagte er. Vorher hatte er das Konzerthaus noch nie besucht.

Musikalisch hatte Canticum Novum ein abwechslungsreiches Programm nach Hamburg mitgebracht. Zu hören waren unter anderem „Northern Lights“ des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo sowie zwei Vertonungen von „Cantate Domino“, dem Motto des Chores. Die Werke stammen von Vytautas Miškinis und Josu Elberdin. Darüber hinaus präsentierte das Ensemble das eindringliche Stück „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger, das unter dem Eindruck des zerstörten Dresdens komponiert wurde.

Ein besonderer Moment des Auftritts war die Interpretation von „Verleih uns Frieden“. Die Sängerinnen und Sänger verließen dabei die Bühne und verteilten sich im Raum. Flüsternd, summend und improvisierend bewegten sie sich zwischen den Zuhörenden. Die ungewöhnliche Aufführung erzeugte eine intensive Atmosphäre und bezog das Publikum unmittelbar in das musikalische Geschehen ein. „Das ist immer ein Highlight“, berichtete Chorleiter Martin Burzeya-Wille.

Der Kammerchor Canticum Novum wurde 2010 von Kirchenkreiskantor Martin Burzeya-Wille gegründet. Das Ensemble besteht aus erfahrenen Sängerinnen und Sängern mit umfangreicher Chorerfahrung oder musikalischer Ausbildung. Die Besetzung orientiert sich am skandinavischen Kammerchor-Ideal einer gleichstarken Verteilung aller Stimmen. Das Repertoire umfasst überwiegend geistliche A-cappella-Musik aus verschiedenen Epochen. Eine besondere Leidenschaft des Chores gilt mehrstimmigen Improvisationen, die auch beim Auftritt in der Elbphilharmonie eindrucksvoll zur Geltung kamen.

Am Ende des Tages zeigte sich: Zwischen Gospel, Jazz, Madrigalen und Seemannsliedern setzte Canticum Novum mit seinem klangvollen und zugleich experimentierfreudigen Programm besondere Akzente. Der Auftritt in der Elbphilharmonie wird den Sängerinnen und Sängern noch lange in Erinnerung bleiben.

Meret Köhne / EMA