Burgdorfer Kirchengemeinden erinnern an Cato Bontjes van Beek
Zum Jahreswechsel schließen sich die drei evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in Burgdorf zusammen. Die künftige Kirchengemeinde wird nach Cato Bontjes van Beek benannt sein. In einem Festgottesdienst am Reformationstag stellte Dr. Ralph Chabonnier die Widerstandskämpferin in den Zusammenhang mit Martin Luther und der reformatorischen Botschaft. Daraus leitete der theologische Vizepräsident des Landeskirchenamtes und frühere Burgdorfer Superintendent einen Auftrag für die neue Kirchengemeinde ab. Sie solle Menschen Orientierung geben und eine Kraftquelle in einer von vielen Stimmen und Bildern geprägten Welt sein.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst in der St.-Pankratius-Kirche mit der Bachkantate „Gott, der Herr ist Sonn und Schild“ (BWV 79). Wie die Gottesdienstgemeinde erfuhr, war Cato Bontjes van Beek selbst eine große Bachliebhaberin. Es musizierten Antonia Schnaidt (Sopran), Claudia Erdmann (Alt), Jörg Erler (Tenor) und Torsten Gödde (Bass) gemeinsam mit dem Burgdorfer Kammerorchester unter der Leitung von Kirchenkreiskantor Martin Burzeya-Wille.
Wie es zu der Namensgebung kam, erläuterte Pastor Bertram Sauppe bei einem Podiumsgespräch, das der Journalist und langjährige HAZ-Redakteur Michael B. Berger moderierte. „Die Kirchenvorstände haben einen Namen gesucht, der theologisch und inhaltlich von Bedeutung ist und das Evangelium der Menschenliebe Gottes verkündigt“, erklärte der Theologe. Die Biografie und das Engagement Cato Bontjes van Beeks hätten die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher schließlich überzeugt.
Der Sachbuchautor Hermann Vinke betonte, dass der Name auch Neugier wecken könne. Dem Einwand Cato Bontjes van Beek sei kein besonders eingängiger Name, hielt er entgegen, dass sie in Fischerhude bisweilen schlicht unter ihrem Vornamen Cato bekannt sei. „Sie hat sich für Feindes- und Nächstenliebe eingesetzt“, erinnerte der Journalist, der eine viel beachtete Biografie über die Widerstandskämpferin verfasst hat.
Dass der Name auch für junge Menschen eine Bedeutung haben könne, unterstrich Ulrike Stepp. Sie leitet das Cato Bontjes van Beek-Gymnasium in Achim und beobachtet, dass viele Schülerinnen und Schüler nach Orientierung suchen. „Der Name kann uns dabei helfen, Orientierung zu schaffen“, sagte die Oberstudienrätin. In Achim habe sich übrigens auch der Vorname durchgesetzt, ergänzte sie.
Eine kritische Stimme brachte Sven Voigt in die Diskussion ein. Der Historiker beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gedenk- und Erinnerungskultur und hat dazu bereits verschiedene Projekte in Burgdorf initiiert. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Gemeindemitglieder rechtzeitig eingebunden und mitgenommen werden“, erklärte er. Dies sei jedoch nicht geschehen. Stattdessen seien die Kirchengemeinden vor vollendete Tatsachen gestellt worden.
In den kommenden Wochen sind weitere Veranstaltungen zu Cato Bontjes van Beek geplant. Am Mittwoch, 11. November, wird Pastor Bertram Sauppe beispielsweise im Rahmen der Gruppe „Ü60 bei Luther“ im Gemeindehaus in Ehlershausen (Ramlinger Straße 25) ihr Leben und Wirken vorstellen. Der Vortrag beginnt um 15 Uhr. Interessierte sind herzlich willkommen – ausdrücklich auch jüngere Besucherinnen und Besucher.


